Festbrennweiten im Zeitalter der Zooms
In letzter Zeit erlebte ich öfters Diskussionen (teils in Foren, teils persönlich mit anderen Hobbyfotografen), deren Inhalt der Sinn und Zweck von Festbrennweiten heute, im Zeitalter der Zooms war. Die Meisten, mit denen ich diskutierte, bevorzugen die Flexibilität der Zooms, dass man schneller auf eine Situation reagieren kann, oder auch einfach nicht so oft das Objektiv zu wechseln braucht. Für Viele scheint es ein nicht akzeptabler Frevel zu sein, wenn in der Brennweitenkette von 18 bis 200mm eine Lücke von nur 10mm klafft.
Zunächst möchte ich einmal die Vor- bzw. Nachteile zusammentragen.
Bezüglich der Lichtstärke ist ganz klar, dass Zooms den Festbrennweiten da unterlegen sind. Gute Zooms erreichen eine Lichtstärke von 2,8 über den gesamten Brennweitenbereich, bei Festbrennweiten kommen schon die Günstigeren auf 1,8, die Besseren auf 1,4 bis 1,2. Somit schaffen die Festbrennweiten bis zu ca. 2 Blenden mehr Licht, was vor allem beim Fotografieren in dunkleren Bereichen (Abendstunden oder Innenräume mit schwacher Beleuchtung) von Vorteil ist.

Außerdem bieten die Festbrennweiten damit wesentlich mehr Möglichkeiten der Freistellung von Objekten oder Personen vor dem Hintergrund, da bei größere Blende die Schärfentiefe geringer wird.
Der größte Vorteil von Zooms ist ihre Flexibilität. Man kann den Bildausschnitt schnell anpassen, ohne sich zu bewegen und flexibel einstellen, wenn man aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nicht näher heran oder weiter weg gehen kann.
Allerdings sehe ich hier auch eine wesentliche Gefahr der Zooms, denn viele (Hobby-)Fotografen tendieren dazu, sich den Bildausschnitt zurecht zu zoomen und vergessen dabei, dass eine andere Brennweite (z. B. 18mm im Gegensatz zu 50mm) eine völlig andere Bildwirkung und einen anderen Blickwinkel mit sich bringt. Vor allem bei Portraits kann sich das sehr fatal auswirken, denn wenn man nicht aufpasst und auf einmal zu sehr in den Weitwinkelbereich gezoomt hat kommt es zu unrealistisch oder unvorteilhaft wirkenden Verzerrungen im Bild (z. B. zu große Nase, oder der Kopf wirkt zu klein über der riesigen Schulter).
Oft wird als ein Vorteil der Festbrennweiten gegenüber den Zooms angeführt, dass die Bildqualität besser sei. Damit ist oft der Kontrast, die Detailzeichnung, die Vingettierung und Verzerrungen gemeint.
Tatsächlich schneiden hier Festbrennweiten im Durchschnitt besser ab als die meisten Zoomobjektive, allerdings gibt es auch Festbrennweiten, die den Zooms hier unterlegen sind. Vor allem die neuen und etwas kostenintensiveren Zoomobjektive haben aber in diesen Bereichen deutlich aufgeholt und können mit den Festbrennweiten durchaus mithalten.

Dann wäre da noch der Kostenfaktor. Im Normalen Brennweitenbereich (also ca. 18 bis 200 mm) sind gute Festbrennweiten im Durchschnitt deutlich günstiger zu haben, als gute Zoomobjektive. Andererseits hat das Zoom den Vorteil, dass man damit die Brennweiten mehrere Festbrennweiten abdeckt.
Um ein Zoomobjektiv mit 18-55mm Brennweite durch Festbrennweiten zu ersetzen, würde man zwei bis drei Objektive anschaffen müssen, was dann bei den Kosten wahrscheinlich sogar teurer zuschlagen würde, als das Zoomobjektiv. Außerdem haben die Festbrennweiten in Summe mehr Gewicht als ein einzelnes Zoomobjektiv.
Technisch haben also beide Objektivarten ihre Vor- bzw. Nachteile und jeder muss selbst für sich entscheiden, welchen Weg er gehen möchte. Zudem schließen sich die beiden Möglichkeiten ja nicht zwingend aus. So kann man durchaus in Abhängigkeit der Situation mit beiden Objektivarten gut arbeiten.

Oft hört man als Argument von den Anhängern der Zooms, dass sie mit Festbrennweiten zu wenig flexibel wären und Gefahr laufen würden, Motive zu verpassen. Meiner Meinung nach werden diese Befürchtungen überbewertet, da vielen einfach die Erfahrung fehlt mit einer Festbrennweite gearbeitet zu haben. Zoomen geht bei Festbrennweiten sehr wohl, mittels des „Turnschuh-Zooms“, also indem man einfach näher heran oder weiter weg geht. Und ein verpasstes schlechtes Foto kann man leichter verschmerzen als viele meinen.
Ich für meinen Teil habe mich in den letzten Jahren, zunächst ohne dass es mir selbst richtig aufgefallen wäre, hin zu den Festbrennweiten entwickelt. So besitze ich seit einiger Zeit kein einziges Zoomobjektiv mehr und vermisse Diese auch nicht. Begonnen hat das mit den Festbrennweiten bei mir mit meinem Makroobjektiv, einer 105mm Festbrennweite. Später kam für Innenraumaufnahmen bei einer Feier ein 35mm mit maximaler Blende 1,8 hinzu und unterdessen noch ein 50mm mit Blende 1,4, welches sich durch den Crop-Faktor meiner Kamera (Nikon D300) auch gut als Einstiegsbrennweite für den Portraitbereich eignet.

Oftmals mache ich auch gerne Fotoausflüge, zu denen ich nur eine Festbrennweite mitnehme (manchmal sogar etwas extrem indem ich nur das 105er, also ein leichtes Teleobjektiv auswähle). Auf diese Art und Weise bin ich dazu gezwungen, mich mehr mit der Bildgestaltung, der Bildwirkung und dem Blickwinkel auseinander zu setzen. Daraus resultieren, zumindest für mich, sehr viel durchdachtere und besser gestaltete Fotos. Auch überlege ich vor dem eigentlichen Fotografieren mehr und lasse die Kamera öfters mal in der Tasche, wenn mir das Motiv nicht so gut erscheint oder ich keinen sinnvollen Weg sehe es gut in Szene zu setzen.
Für mich kann ich sagen, dass die Verwendung von Festbrennweiten meinen fotografischen Blick geschult hat und mich in meiner Entwicklung ein gutes Stück vorangebracht hat und noch immer voranbringt. Ich fotografiere mit Festbrennweiten bewusster und es macht mir irgendwie auch mehr Spaß.
Ich kann jedem nur wärmstens empfehlen, ab und an Ausflüge mit nur einer Festbrennweite zu machen, da es einfach eine andere Sichtweise eröffnet. Wer keine Festbrennweite hat, kann beispielsweise sein Zoom nehmen und fest auf eine Brennweite einstellen (ein Stück Klebeband kann dabei helfen ;-) ). Probiert es einfach mal aus, schaden kann es nicht.
Die Bilder in diesem Beitrag entstanden alle mit Festbrennweiten (das Damenportrait mit 50mm, der Rest mit 105mm).
Ebenso sind fast alle Bilder bei den Hochzeiten (Artikelserie: Hochzeiten fotografieren), die ich fotografierte mit Festbrennweiten entstanden. Etwa 65% mit dem 35mm, ca. 30% mit dem 105mm und höchstens 5% mit einem Zoom, allerdings auch nur weil mir kein anderes Objektiv im Weitwinkelbereich zur Verfügung stand.
Alle Beiträge der Serie „Objektiv”
Das Objektiv – Wichtige Parameter
Das Objektiv – Objektivtypen
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Das Objektiv – Zubehör & Herstellung
Festbrennweiten im Zeitalter der Zooms
Autor des Artikels: Jens Dittmar
Zum Fotografieren kam ich vor einigen Jahren, damals lag mein Hauptinteresse in der Landschaftsfotografie. Im Jahr 2008 entdeckte ich die Makrofotografie für mich und war fortan begeistert von der kleinen Welt überall um uns herum. 2009 habe ich neben der Makrofotografie auch sehr viel Peoplefotografie betrieben und mich mit der Lichtführung intensiver beschäftigt. Zu einem meiner ersten Fotos sagte mein Vater einmal: „Wer fotografiert, lernt sehen.“ Diesen Leitsatz sehe ich in allen Bereichen der Fotografie täglich bestätigt. In der Makrofotografie ist er allerdings am offensichtlichsten.
Webseite von Jens Dittmar | Bei Twitter zu finden als jendit_de8 Kommentare
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16. Juli 2010 um 15:19
Hallo Jens,
das sind sehr interessante Ansichten und ich kann dir eigentlich nur zustimmen. Auch ich bin von der Zoom-Fraktion zu immer mehr FBs gekommen, da mich die Lichtstärke einfach gereizt hat. Seit einiger Zeit kommen überwiegend ein 35mm und ein 50mm zum Einsatz. Und es werden sicherlich noch ein paar andere folgen!
Den Vorteil den ich darin sehe ist, dass man sich wirklich viel mehr mit dem Motiv auseinandersetzt und auch schön mit der Schärfentiefe spielen kann.
Seitdem ich begonnen habe mit FBs zu fotografieren und öfter mit Kollegen unterwegs bin, die ein Zoom haben, wollen diese sich nun auch eine FB als Ergänzung zulegen. Ich denke gerade für Einsteiger, die sich die Zooms mit f2.8 nicht leisten können sind FBs hervorragende Ergänzungen bzw. Alternativen.
Gruß Bernd
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17. Juli 2010 um 16:15
Hallo Jens,
sehr interessanter und sehr oft angesprochenes Thema.
Ein 50mm Walk schult extrem das fotografische Auge, entlastet aber auch die Last des Schleppens. Hier spielen viele Affekte mit ein warum Festbrennweite und kein Zoom.
Gerade wenn man sich selbst einschränkt steigt die Herausforderung aber auch gleichzeitig die Qualität der Bilder.
Oftmals vergisst man beim Zoomen was man da eigentlich tut bzw. man verliert das eigentliche Objekt aus den Augen.
Ich bin mittlerweile sehr oft mit meiner Festbrennweite (50/1,4) unterwegs und erfreue mich neuer Sichtweisen und dem geringeren Gewicht als auch dem fehlenden Objektiv Wechsel.
Viele Grüße
Markus -
3. September 2010 um 09:39
Tja, ich kann Dir auch nur zustimmen.
Mittlerweile zieren auch 2 Festbrennweiten meinen Objektivpark (50mm/1,4 und 100mm/2,8) und das ist schon was feines. Allerdings habe auch ich einige Jahre Fotografierens gebraucht, um dahinter zu kommen ^^
Zwar ist man versucht, lieber das Zoom draufzuhaben und zumindest, wenn ich halt nur so unterwegs bin habe ich es halt der Einfachheit lieber drauf.
Aber spätestens wenn man halt gezielt auf Fotopirsch gehe, versuche ich auch mit den Festbrennweiten zu arbeiten, da man sich dann halt auch eher die Zeit für Probieren mit dem Bildaufbau nimmt, zum Objekt hin oder wieder wegzulaufen usw. Bei Makro ist es sowieso klar, aber ich habe in letzter Zeit auch mal einige Studioworkshops mitgemacht, wo ich aber auch der einzige war, der mal die Festbrennweite draufsetzte … Und gerade da hat man doch die Zeit sich mal ein bissel zu bewegen und sich nicht nur vor das Modell zu stellen und hin- und herzuzoomen.
Letztens unterhielt ich mich da auch mal mit einem Kursteilnehmer, der mir stolz erzählte, er sei jetzt von der 450D auf die 550D aufgestiegen – aber hatte natürlich nur ein “nettes” 18-200er drauf. Ich meinte nur, warum er nicht lieber das Geld in eine gute Festbrennweite oder ein schönes L-Zoom investiert hätte, aber irgendwie war da bei ihm kein Verständnis zu wecken. Naja, vielleicht braucht er auch noch ein paar Jahre. -
5. September 2010 um 19:29Karl Bogner
Als Neuling in der digitalen Welt halte ich immer wieder meine guten alten FB – Fotos auf Film gegen die Hervorbringungen der Digi-SLR. Und ich war ganz fix wieder bei den firmeneigenen 24mm, 50 mm und 100 mm Festbrennweiten, selbst wenn mit einem Teil der Optiken der AF nicht funktionierte. Brillanz, Schärfe und Bokeh sind einfach etwas, an das man sich in 40 Jahren gewöhnt hat. Kannsein, die Kids vermissen das nicht – ich tus jedenfalls.
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16. November 2010 um 21:24
Bisher habe ich auch Zoomobjektive präferiert. Allerdings habe ich auch die Erfahrungen bzgl. Bildwirkung gemacht.
Aus diesem Grunde habe ich mir zunächst mal das 50mm, 1,8 zugelegt und bin damit fleißig am üben.
Man nimmt das Bild bewusster auf, weil die Bequemlichkeit nicht gefördert wird (ich muss mich für den richtigen Bildausschnitte auch mal zum Motiv hinbewegen).Auf meine Zoomobjektive werde ich sicherlich nicht verzichten, aber sie auch nicht mehr zu ersten Wahl machen.
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2. März 2011 um 23:06
Schöner Beitrag. Ich habe zwar erst richtig im August 2010 mit dem Fotografieren begonnen, aber da hat erstmal das Kit Zoom gereicht.
Vor zwei Wochen habe ich mir ein Simga 17-70mm 2.8-4 gegönnt, das quasi ein Immerdrauf ist. Allerdings habe ich mir diese Woche die D300s geholt, da ich sowieso keine Motivproramme brauche und mir einige Funktionen bei der D3000 fehlten, und da habe ich mir das 50mm 1.8 mitgenommen. Super Objektiv, für Gesichtsporträts vor allem sehr super, allerdings beim Crop etwas schwer in der Wohung. Das schreibt schon mehr nach Natur, zumindest wenn der Oberkörper auch drauf sein soll. Aber Festbrennweiten waren neben den Zooms fest geplant, das 35mm 1.8, 50mm 1.4 und ein 105mm macro. Zoom kommt aber trotzdem noch eines, weil im Zoo will gezoomt werden, da wird mir das 70-300mm seine Dienste erweisen :) -
29. Februar 2012 um 16:43Florian
Wow dieser Beitrag hat mich wirklich angesprochen. Ich hatte schon von mehrern gehört das man mit Festbrennweiten erst richtig lernt zu Fotographieren. Dieser Beitrag hat mich in der hinsicht noch bestärkt. meine nächste Anschaffung wird wohl ein 50mm sein :). weiter so ;)

Wir haben auch mal ne Festbrennweiten-Aktion gestartet:
http://www.die-fotobrauer.de/fuerth-mit-50-mm/
Ich bin von einer guten Mischung aus Festbrennweiten und Zooms überzeugt. :-)
LG Alexander