Artikel von Jens Dittmar - aktualisiert am 20. März 2011 - veröffentlicht am 13. April 2010

Hochzeitsfotografie: Hochzeitsreportage 1

Autor: Jens Dittmar

Nun war ich so gut es mir möglich war, vorbereitet. Ich hatte viel gelesen, viel ausprobiert, noch mehr gelernt. Und ich hatte mir immer wieder Sorgen gemacht, ob das Ergebnis zufrieden stellend ausfallen würde.Der Tag der Hochzeit war gekommen. Mit dem Paar hatte ich zuvor ausgemacht, was sie eigentlich genau wollten.

Solch eine Feier lässt sich ja in verschiedene Abschnitte einteilen:

  • Vorbereitungen (Friseur, Schminken, Ankleiden)
  • Trauung (Zeremonie an sich, im Standesamt und ggf. in der Kirche)
  • Weg zur Feier (je nach Region & Bräuchen kann es zu „Zwischenfällen“ kommen)
  • Essen und Kuchen (inklusive Tortenanschnitt)
  • Feier (Tanzen, Spiele, etc.)
  • und natürlich die Paarfotos

In meinem Fall wünschte das Brautpaar eine komplette Hochzeitsreportage. Das heißt, beginnend kurz nach dem Aufstehen des Brautpaars begleitete ich die beiden den ganzen Tag und hielt alles im Bild fest. Auch hier war es wieder sehr nützlich einen Assistenten zu haben, welcher sich mit der Zweitkamera auskennt, um so von beiden, also von Bräutigam und Braut, Bilder von den getrennt ablaufenden Vorbereitungen zu bekommen.

Ich begleitete die Braut, da ihr die Bilder besonders wichtig waren, während meine Frau dem Bräutigam folgte.

Der erste Stopp war beim Friseur. Dort wurden der Braut Haarspiralen gewickelt und kleine Schmucksteine in die Haare eingeflochten. Und es gelangen schon hier einige interessante Fotos von der Verwandlung der hübschen jungen Frau zu der dann noch schöneren Braut.

Auch der Bräutigam kam kurz beim Friseur vorbei. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, auch ihn zu fotografieren während seine Braut unter einer Trockenhaube saß.

Ein sehr gutes Motiv beim Friseur sind übrigens Blicke in den Spiegel, wodurch man sowohl die Frisur von hinten, als auch von vorne zeigen kann. Man muss nur aufpassen, dass man bei den vielen Spiegeln nicht selbst mit ins Bild kommt. Danach ging es weiter zum Schminken in ein Gästezimmer des Gasthofes, in dem auch die Feier stattfinden sollte. Auch hier wurden wieder Fotos gemacht. – Denn die Braut wurde ja nocheinmal schöner.

Übrigens sollte man nicht vergessen, sowohl bei der Friseuse als auch bei der Visagistin, um Erlaubnis zu fragen, bevor man einfach darauf los schießt.

In den kurzen Pausen, die ich hatte, hielt ich einige der bereits im Zimmer herumliegenden Accessoires im Bild fest. So fotografierte ich beispielsweise Schuhe, das Brautkleid auf dem Bett, den Schmuck, und so weiter. Diese Dinge sollten auf keinen Fall fehlen, da das Brautpaar sie lange ausgesucht hat, und die deshalb den beiden sehr wichtig sind. Auch als Füllmaterial oder als Hintergrundbilder für die spätere Präsentation der Fotos eignen sich solche Bilder hervorragend.

Zu diesem Zeitpunkt wirkte die Braut schon merklich gestresst. Die vielen Menschen im Zimmer nervten sie. So erlaubte ich mir , die überflüssigen Personen mit freundlicher Geste aus dem Zimmer zu scheuchen. Dadurch kehrte wieder etwas Ruhe ein, die Braut war deutlich erleichtert, und ich hatte mehr Raum, mich zu bewegen.

Beim Ankleiden selbst verließ ich natürlich kurz das Zimmer. Ich ließ mich wieder rufen, sobald die Braut das Kleid hochgezogen hatte. In dieser kurzen Pause inspizierte ich den Raum, in dem die Feier stattfinden würde. Bei dieser Gelegenheit machte ich gleich einige Fotos von der Örtlichkeit und der Dekoration auf den Tischen, – Fotos, die auch wieder als Beiwerk für die spätere Repräsentation dienen sollten.

Bald aber wurde ich wieder zur Braut gerufen. Mehrere Damen um sie herum tüftelten noch an ihrem Kleid herum und zogen dies oder jenes zurecht. Auch von dieser Szene und dem Anlegen der Accessoires (Schuhe, Schmuck) machte ich einige Fotos.

Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich bereits selbst die Hektik und den Stress in mir aufsteigen. Ich spürte, wie mich die Aufregung anheizte und ich, gespannt wie ein Bogen, auf alles um mich herum zu achten versuchte, um auch ja kein Detail und keinen Moment zu verpassen.

Zwischendurch ein Wort zur technischen Durchführung: Leider hatten wir einen ziemlich düsteren und dunklen Tag erwischt. Dicke Regenwolken hingen am Himmel, und die Fenster in dem Gutshof waren nicht besonders groß. Deshalb war es im Zimmer also relativ dunkel. Das veranlasste mich, ein Blitzgerät mit einem Funkauslöser zu versehen und – gegen die weiße Zimmerdecke gerichtet – in eine Ecke zu legen. Somit konnte ich mich frei bewegen und hatte deutlich mehr Licht zur Verfügung, ohne dass ich harte Schatten oder gar Schlagschatten hinter den Personen bekommen hätte. Das hatte auch den Vorteil, dass ich die ISO im unteren Bereich belassen konnte.

Wer einen oder mehrere Blitze einsetzen möchte sollte unbedingt darauf achten, dass keine unschönen Schlagschatten direkt hinter den fotografierten Personen entstehen, die das Bild mit Leichtigkeit völlig entstellen können. Daher: unbedingt indirekt oder entfesselt blitzen!

Nachdem die Braut also frisiert, geschminkt und angekleidet war, schickte ich alle anderen Personen weg und machten einige Fotos im Gutshof von der Braut alleine in all ihrer Pracht, die sie wie eine Märchenprinzessin erscheinen ließ.

Kaum waren wir damit einigermaßen fertig, kam schon der Bräutigam an, um seine Braut zur Trauung abzuholen. Wir versammelten uns im Eingangsbereich des Gutshofes, und ich konnte bei dieser Gelegenheit von den Gästen und vom Bräutigam einige Bilder ergattern. Nun machten wir uns auf zum Standesamt. Es regnete in Strömen, aber das bemerkte ich kaum denn ich versuchte vom Brautpaar beim Einsteigen in ihr geschmücktes Hochzeitsauto einige Fotos zu machen. Schnell zum eigenen Wagen, Kamera verstauen und ab zum Standesamt.

Dort warteten schon die anderen Gäste. Auch hier folgte ich dem Brautpaar auf Schritt und Tritt und trennte mich nur kurz im Standesamt von ihnen, um den Raum vor Ihnen zu betreten und schnell noch meine Blitzgeräte im Raum zu verteilen (es war wirklich sehr wenig Licht durch das Regenwetter an diesem Tag vorhanden).

Die Örtlichkeit im Standesamt war für mich als Fotograf denkbar ungeeignet, denn hinter dem Tisch, an dem der Beamte saß, war nicht genug Platz um mich dort bewegen zu können. So saß ich am Rand und versuchte so einige Bilder zu machen. Zu den „besonderen“ Augenblicken machte der Standesbeamte Platz für mich, gab mir einen Wink, damit ich schnell um den Tisch kommen könnte, um das Brautpaar bei den Unterschriften, dem Ringanstecken oder dem Kuss zu fotografieren.

Am Rande sei hier erwähnt, dass bei einer späteren Hochzeit die ich fotografierte, die räumlichen Gegebenheiten deutlich besser waren und ich (in Absprache mit der Standesbeamtin) mich auch hinter ihr frei bewegen konnte. Das sind eben die Unwägbarkeiten, die man nie ganz ausschließen und planen kann. Man sieht hier auch, dass es durchaus von Vorteil ist, sich die Räumlichkeiten vorab schon anzusehen.

Nach der Zeremonie kamen die Gäste zum Brautpaar, um ihnen ihre Glückwünsche auszusprechen. Das darf natürlich ebenfalls bei den Fotos nicht fehlen. Erst als alle Gäste ihre Glückwünsche überbracht und den Raum verlassen hatten, überreichte ich selbst meine Glückwünsche und sammelte danach meine Blitzgeräte wieder ein.

Ratschläge:

  • Aus vielen verschiedenen Blickwinkeln fotografieren.
  • Details niemals vergessen, sie sind wichtiger als man glaubt.
  • Gleiches gilt für Accessoires.
  • Schlagschatten auf jeden Fall vermeiden!
  • Unsichtbar sein, um alles so natürlich wie möglich fest zu halten.
  • Präsent sein, um Anweisungen zu geben oder sich nicht von wichtigen Positionen verdrängen lassen.
  • Ständig auf alles achten.
  • Die unvorteilhaftesten Bilder der (vielleicht) verschlafenen Braut oder des Bräutigams, (evtl. gar mit Augenringen) aussortieren, bzw. gleich bei der Aufnahme vermeiden.
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Autor des Artikels: Jens Dittmar

Zum Fotografieren kam ich vor einigen Jahren, damals lag mein Hauptinteresse in der Landschaftsfotografie. Im Jahr 2008 entdeckte ich die Makrofotografie für mich und war fortan begeistert von der kleinen Welt überall um uns herum. 2009 habe ich neben der Makrofotografie auch sehr viel Peoplefotografie betrieben und mich mit der Lichtführung intensiver beschäftigt. Zu einem meiner ersten Fotos sagte mein Vater einmal: „Wer fotografiert, lernt sehen.“ Diesen Leitsatz sehe ich in allen Bereichen der Fotografie täglich bestätigt. In der Makrofotografie ist er allerdings am offensichtlichsten.

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