Artikel von Andreas Meier - aktualisiert am 22. März 2011 - veröffentlicht am 3. April 2008

Tipps & Tricks bei Nachtaufnahmen

Autor: Andreas Meier

Andreas Meier beschäftigt sich fotografisch seit vielen Jahren mit der Dokumentation von Industrie und Industrieruinen. Unter www.industrialmoments.de präsentiert er seine Fotografien und Tipps. Die Industrieanlagen fotografiert er auch des Öfteren nachts. Dadurch hat er viele Erfahrungen auf diesem Gebiet.

Ich habe mal meine in den letzten Jahren gesammelten Tipps zum Thema Nachtaufnahmen auf Papier gebracht und hoffe das ich Euch damit helfen kann.

Ausrüstung

Die Kamera (klar), ein stabiles Stativ, ein Kabelauslöser oder Fernbedienung für die Kamera, eine Taschen oder Kopflampe, Optional eine Wasserwaage für den Blitzschuh, Reinigungszubehör für die Kamera und Objektive, Thermoskanne für Kaffee oder Kaltgetränke, Snacks,  …

Grundlegendes

Als erstes einen festen Standort für das Stativ wählen und soweit möglich nur die Beine des Stativs ausziehen und nicht die Mittelsäule, da diese oft das Ganze instabil macht.

Man sollte des Weiteren darauf achten, dass man nicht im vollen Wind oder Sturm steht, da im Telebereich sogar das Wackeln durch starken Wind das Foto schnell unbrauchbar machen kann und vor allem einen Standort wählen, an dem nicht plötzlich Fahrzeuge oder Werksverkehr um die Ecke biegen können.

Es hat auch keinen Zweck unter Zeitdruck loszuziehen, da Nachtfotografie unter Umständen schnell mal die eine oder andere Stunde in Anspruch nimmt und die Zeit dabei schneller verfliegt als man denkt.

Motive

Es sollte in dem gewünschten Bildausschnitt keine Strahler oder Scheinwerfer geben, welche direkt ins Bild leuchten. Wenn doch weit entfernt Scheinwerfer oder helles Licht  stören sollte, kann man oft durch Wahl des Kamerastandpunktes (teilweise genügen ein paar Schritte zur Seite) versuchen, die Lichtquelle durch Objekte im Vordergrund (Bäume, Masten, Autos…) abzudecken. Man sollte auch versuchen, den Bildausschnitt so zu wählen, dass man eine gleichmäßige Ausleuchtung hat.

Es bringt nichts, wenn im Vordergrund eine Laterne steht und dann z.B. das Haus im Hintergrund zu dunkel ist oder das Haus richtig belichtet und die Laterne überstrahlt.

Wasserflächen oder Pfützen im Vordergrund ergeben immer schöne Spiegelungen (also immer Gießkanne mitnehmen, um selbst Pfützen erzeugen zu können). Durch die lange Belichtung werden auch fließende Gewässer irgendwann zu glatten Oberflächen auf dem Foto. Dampf aus Schornsteinen oder Fabriken wirkt auf Nachtaufnahmen oft wie Watte (Wattebäuschchenfotografie). Die verschiedenen Beleuchtungsarten bei Fabriken oder Industrie geben die tollsten Farben ab auf den Bildern (Bonbonfarbene Fotografie ).

Am besten eine Wasserwaage nutzen, da man in der Dunkelheit nicht unbedingt einen vernünftigen Anhaltspunkt findet, um die Kamera gerade auszurichten. Ansonsten ist fast alles gleich wie bei „normaler“ Fotografie… Goldener Schnitt etc.

Kameraeinstellungen

Die Automatikprogramme sowie der Autofokus der Kameras versagen spätestens nach der blauen Stunde kläglich und man muss alle Einstellungen von Hand vornehmen.

Dazu noch ein paar Tipps:
Soweit bei der Kamera vorhanden, immer im RAW Format fotografieren, damit man den Weißabgleich später machen kann. Immer in höchster Auflösung fotografieren, alle Einstellungen auf manuell stellen und in den meisten Fällen auch Autofokus abschalten.

Einen sehr niedrigen ISO Wert wählen, um Bildrauschen zu vermeiden oder niedrig zu halten. Abhängig von Objektiv und Kamera die Blende nicht ganz öffnen, da man in der Dunkelheit oft die Schärfe nicht 100% einstellen kann und leichte Unschärfe oder der verschobene Fokuspunkt bei einem Wert um 8- 10 dann nicht ganz so auffällt. Die meisten meiner Nachtbilder entstehen zwischen Blende 8 und 10.

Als Orientierungspunkt zum Fokussieren am besten eine Lichtquelle wählen oder wenn möglich näher ran zoomen, fokussieren und dann wieder auf den vorherigen Ausschnitt zurückstellen. Je kleiner die Blende ist, um so extremer fällt der „Sterncheneffekt“ um Lichtquellen aus.

Bildbearbeitung

Bei der Bildbearbeitung am PC versuche ich immer, so wenig wie möglich in das Bild einzugreifen. Wenn was gemacht wird, dann nur um das Bild so zu zeigen, wie ich es vor Ort auch gesehen hab. Es handelt sich meist nur um eine leichte Tonwertkorrektur, evtl. entzerren, anpassen der Farben und nachschärfen.

Wichtige Fotos mache ich grundsätzlich im RAW Format um hinterher noch in den Weißabgleich eingreifen zu können und ggf. die Belichtung leicht zu korrigieren.

Hier mal einige Schritte, wie sie bei mir typisch sind bevor die Bilder fertig sind:
Weißabgleich, evtl. Belichtung korrigieren, vielleicht Schatten aufhellen, leicht nachschärfen, evtl. Tonwertkorrektur, Farbsättigung, falls Rauschen in dunklen Stellen zu sehen ist etwas entrauschen, in JPG exportieren, evtl. Copyright drauf wenn ich es ins Internet stellen will, fürs Web in entsprechender Auflösung und Format abspeichern.

Das Beste ist aber immer noch das Bild so zu fotografieren, dass man so wenig wie möglich EBV braucht im Nachhinein.

Anmerkungen des Autoren

Dieses sollen nur einige grundlegende Tipps sein, um nicht bei den ersten Nachtfotos zu verzweifeln oder nach den ersten Versuchen aufzugeben.  Für die Richtigkeit der Tipps kann ich auch kein Gewähr geben… es sind nur Erfahrungen, die ich im Laufe der Zeit bei der Nachtfotografie sammeln konnte.

Am meisten Spaß macht das Ganze, wenn man mit mehreren unterwegs ist und die Zeit beim Belichten dann für Fachsimpelei oder andere Gespräche nutzen kann.

Ein Höhepunkt des Fotografierens an öffentlichen Straßen ist  immer zu sehen, wie die Autofahrer ihr ganzes Gewicht auf die Bremse verlagern da Sie im Dunkeln nicht zwischen Laserpistole und Kamera unterscheiden können. Ich wünsche Euch viel Spaß!

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