Artikel von Siegfried Masur - aktualisiert am 21. August 2011 - veröffentlicht am 26. März 2009

Das Histogramm, ein wertvolles Hilfsmittel

Autor: Siegfried Masur

Ein Histrogramm sieht kompliziert aus, wenn man nicht genau weiß, was es ist. Beim genaueren Betrachen wird man aber merken, wie hilfreich so ein Histogramm zur Beurteilung eines Fotos sein kann. Es zeigt die Verteilung der Helligkeitswerte und ist in Bildbearbeitungsprogrammen sowie bei vielen Digitalkameras zu finden.

Auf der horizontalen Achse sind die Helligkeitswerte von Schwarz (links) bis Weiß (rechts) aufgeführt (meist 256 Stufen). Die Höhe der Kurve entspricht der Anzahl der entsprechend hellen Pixel im Bild, je höher der Wert für eine Helligkeit ist, um so häufiger kommt dieser Wert im Bild vor. Dabei spielt die absolute Zahl keine Rolle. Interessant ist aber die Verteilung der Pixel, die Kurvenform.

Bildbearbeitungsprogramme z. B. Picasa zeigen die Kurven in den drei Grundfarben an. Damit kann man sehen, wie die Verteilung der Elementarfarben das Fotos  den Helligkeitsverlauf beeinflusst. Zwar schadet mehr Information nie, aber notwendig ist das für die Beurteilung und Bearbeitung von Fotos nicht.

Was sagt uns der Kurvenverlauf im Histogramm?

Sehen wir uns das an einigen Beispielen an:

Hier ist sowohl bei den dunklen als auch den hellen Tönen ein „Berg“ zu sehen. Das bedeutet, dass viele dunkle und helle Pixel im Bild vorhanden sind. Mitteltöne kommen relativ wenig vor. Die dunklen Töne kommen von der Dohle, die hellen vom steinigen Hintergrund, der große Bildteile überstreicht und deshalb oft vorkommt. Da noch kein reines Schwarz vorhanden ist, kann man erkennen, dass bei leichter Aufhellung der Schatten noch etwas mehr Zeichnung im Federkleid heraus geholt werden könnte.

Beim Histogramm dieser Lotosblüte erkennt man, dass im rechten Teil eine Lücke klafft. Das bedeutet, dass weiße und ganz helle Töne gar nicht vorkommen. Ein Blick auf das Foto bestätigt den Verdacht, dass dieses Bild unterbelichtet ist. Eine Kontrasterhöhung (oder Verschiebung des Weißpunkts nach links) würde der Blüte zu einem merklich strahlenderen Aussehen verhelfen.

Diese Kapelle besteht hauptsächlich aus dunklen Bereichen. Lediglich die im Gegenlicht strahlenden Fenster und die Tür verursachen die Spitze am rechten Rand des Histogramms. Immer wenn am rechten Rand eine Spitze abgeschnitten wird, besteht der Verdacht, dass dort noch hellere Pixel durch den Maximalwert „Weiß“ begrenzt sind, also das gefürchtete Clipping auftritt. Der Blick auf das Foto bestätigt das, in Tür und Fenstern wird „überstrahlt“.

Der Kontrast ist einfach für die Kamera zu hoch gewesen. Dass links noch eine kleine Lücke zu Schwarz besteht, zeigt den Versuch der Belichtungsautomatik, das Clipping zu begrenzen. Dafür sind die dunkelsten Töne noch nicht richtig schwarz, man könnte also durch leichtes Anheben des Schwarzpunktes hier ein sattes Schwarz ins Bild bringen – wenn dadurch nicht das Deckenmuster wieder zu dunkel wird. Der Verlauf der Kurve zeigt, dass das Foto große Kontraste hat, wenig Mitten.

Bei diesem Histogramm klaffen auf beiden Seiten große Lücken. Der Tonwertumfang ist stark eingeschränkt. Man erkennt daran, dass das Bild flau ist. Es wurde hier durch den Dunst verursacht, den fast alle Luftaufnahmen haben. Eine Kontrastanhebung bringt wieder Leben ins Bild. Man beachte hier, dass eine Spreizung des Tonwertumfangs natürlich nicht die volle Palette aller Helligkeitsstufen erzeugen wird. Das Histogramm einer stark „gespreizten“ Aufnahme besteht häufig aus einzelnen senkrechten Linien.

Hier gibt es keine stark dunklen Bereiche im Bild. Bei den Lichtern muss man genau hinsehen, um zu erkennen, dass sie in geringer Zahl vorhanden sind (im Pflanzenstiel oben und der kleine Sonnenfleck oben). Nach dem Histogramm könnte man dazu neigen, den Kontrast zu erhöhen.  Das würde aber bei diesem Bild den pastellartigen Charakter verderben. Deshalb ist es nicht ratsam, ein Bild generell nach dem Histogramm auf den vollen Tonwertumfang zu „trimmen“. Es ist nicht nur bei Low-key- und High-key-Aufnahmen auf die erzielte Bildstimmung zu achten. Damit verbietet sich, generell mit Automatikfunktionen alle Fotos zu bearbeiten.

Fazit

Diese wichtigen Aussagen helfen schon bei der Aufnahme, um optimal belichtete Fotos zu erhalten – vorausgesetzt die Kamera zeigt ein Histogramm an.

Bei der Bildbearbeitung hilft das Histogramm bei der Einschätzung, welche Schritte bei der Korrektur sinnvoll sind (Helligkeit, Kontrast oder Gamma) und vor allem dabei, diese optimal zu dimensionieren. Gerade bei einer mehrfach notwendigen Anwendung von Helligkeits- und Kontrastregler verhindert die Beobachtung des Histogramms, dass Helligkeitsbereiche über den Rand des Histogramms „geschoben“ werden. In diesem Fall würde auf jeden Fall Zeichnung in den betreffenden Lichtern oder Schatten verloren gehen und damit das Foto verschlechtern. Nur sehr erfahrene Bildbearbeiter erhalten ohne Histogramm ähnlich gute Ergebnisse bei der Helligkeitskorrektur von Fotos. Dem Einsteiger ermöglicht es optimal belichtete Bilder.

Text & Fotografie: Siegfried Masur
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