Artikel von Jens Dittmar - aktualisiert am 20. März 2011 - veröffentlicht am 12. November 2009

Makrofotografie: Blumen fotografieren

Autor: Jens Dittmar

Blumen sind ein sehr gutes Motiv für den Einstieg in die Makrofotografie, bieten aber auch viele Möglichkeiten für fortgeschrittene Bildgestaltung. Vorteilhaft für den Einstieg sind sie (im Gegensatz zu Insekten) weil sie für gewöhnlich nicht weglaufen, wegspringen oder wegfliegen. Wenn man mal eine Blüte näher betrachtet stellt man schnell fest, dass da mehr dran ist als es auf den ersten Blick zu sein scheint.

Die feine Struktur der Blütenblätter, die im Gegenlicht durchleuchtet werden, bei vielen Blüten sind am Stiel oder auf den Blütenblättern ganz feine „Härchen“, fast wie Flaum, die Pollengefäße, die einen Wandel im Lebenszyklus der Blüte durchmachen und von einem geschlossenen Stadium zu einem Offenen übergehen und viele weitere Details.

Bildausschnitt

Will man solche Eindrücke nun einfangen und auf den Sensor der Kamera bannen, so stellt sich zunächst die Frage des Bildausschnittes. Die Hauptfrage hier ist, ob die Blüte als Ganzes oder nur ein Teil davon formatfüllend abgebildet werden soll. Dadurch entsteht natürlich auch eine ganz andere Wirkung beim Betrachten des Bildes.

Gerade bei etwas größeren Blüten bedeutet eine Abbildung der ganzen Blüte einen kleineren Maßstab. Auf der einen Seite wirkt so eine Blüte als Einheit und in sich abgeschlossen. Sie kann zudem im Verbund mit anderen Blüten ihrer Art gezeigt werden. Wählt man hingegen einen Teilausschnitt ist der verwendete Maßstab meist größer (näher an 1:1) und der Blick des Betrachters wird auf Details und Winzigkeiten gelenkt, die sonst kaum Beachtung finden.

Ausrichtung in der Horizontalen

Aus der Landschaftsfotografie kennt man es, dass die Kamera fast schon sklavisch an der Horizontalen ausgerichtet werden muss (oft mit einer Wasserwaage). Somit soll ein realistischer Eindruck der Landschaft gegeben werden da z. B. ein See sonst aus dem Bild „fließen“ würde und dergleichen.

In der Makrofotografie hat man hier einiges mehr an Freiheiten, schließlich wachsen Blumen auch nicht exakt senkrecht. Vielmehr neigen sie sich zu einer Seite, oft in leicht unterschiedlichen Winkeln selbst in einem großen Verbund aus Blumen der gleichen Art.

Es spricht also nichts dagegen die Kamera auch mal leicht schräg zu stellen um die Blüte im Bild so zu platzieren, dass eine angenehme Bildwirkung entsteht. Beispielsweise wenn der Stängel der Blume zu sehen ist, ist es meist von Vorteil für die Bildwirkung wenn dieser nicht in einem 90° Winkel zum Bildrand den Bildbereich verlässt.

Eine kleine Einschränkung gibt es hier jedoch, wenn Tropfen auf dem Bild zu sehen sind kann man in den Tropfen die Umgebung spiegeln sehen. Wenn jetzt der Horizont in den Tropfen deutlich zu erkennen ist (oder große Bäume oder dergleichen) und man den Winkel zu extrem wählt wirkt das Bild einfach falsch, nicht richtig. Hier sollte man dann versuchen die Kamera einigermaßen am natürlichen Horizont auszurichten oder so zu platzieren, dass die Reflektionen in den Tropfen keinen Anhaltspunkt zur Ausrichtung der Kamera geben. Auch die Form der Tropfen kann natürlich auf die „richtige“ Lage hinweisen da sie durch die Schwerkraft immer nach unten gezogen werden.

Augenhöhe

Von oben herab? Oder von unten nach oben? Oder doch auf Augenhöhe?

Das ist nicht einfach zu beantworten und erst recht nicht allgemeingültig. Was aber meistens nicht wirkt ist zu sehr von oben herab zu fotografieren, wenn noch viel vom Hintergrund (somit meistens der Boden) zu sehen ist. Meistens führt das zu einem sehr unruhigen und unschönen Hintergrund von dem sich die Blume nicht richtig lösen kann

Beschränkt sich die Aufnahme allerdings auf einen Ausschnitt der Blüte und ist vom Hintergrund wenig bis nichts zu erkennen, dann ist auch das Fotografieren von oben herab in Ordnung.

Schärfentiefe

Die Schärfentiefe ist im Makrobereich sehr gering. Selbst bei weit geschlossener Blende ist der wirklich scharfe Bereich im Bild meist nur wenige Millimeter groß.

Daher gilt es mit Bedacht zu wählen, wie die Kamera zur Blüte ausgerichtet wird und was alles mit in die Schärfe und somit die Schärfenebene soll. Eine sehr tiefe Blüte wird man kaum vom Blütenrand bis in die Tiefen scharf bekommen und auch bei einem Foto seitlich zur Blüte muss man sich entscheiden, ob man beispielsweise den Rand des Blütenblattes, welches der Kamera am nächsten liegt, oder die Stempel in der Mitte der Blüte scharf haben möchte. Beides gemeinsam wird in den seltensten Fällen gelingen.

Die Schärfentiefe ermöglicht es aber auch den Blick des Betrachters auf besonders interessante Bereiche zu lenken und von unwesentlichem fern zu halten.

Es sollte auf jeden Fall ein „Eye-Catcher“ als scharfer Bereich vorhanden sein, ein interessanter Punkt an dem sich das Auge beim Betrachten des Bildes festhalten und verweilen kann.

Hintergrund

Direkt betroffen von der Schärfentiefe ist auch der Hintergrund. Soll er einigermaßen detailliert abgebildet werden oder nur schemenhaft zu erkennen sein oder soll er gar soweit aufgelöst werden, dass nur eine mehrfarbige (oder einfarbige) Fläche entsteht?

Neben der gewählten Blende beeinflusst auch der Abstand zwischen der Blüte und dem Hintergrund die Art mit der der Hintergrund in die Bildgestaltung eingehen kann.

Wenn man die Blüte möglichst frei stellen möchte muss natürlich die Blende etwas größer gewählt werden aber fast noch wichtiger ist, dass der Hintergrund eine möglichst große Entfernung zur Blüte aufweist und somit genug Freiraum lässt.

Andererseits kann es sehr reizvoll sein Hintergründe als gestalterisches Element mit ins Bild einzubeziehen. Zum Beispiel wenn ein strukturierter aber geordneter Hintergrund wie ein Kornfeld zur Verfügung steht, kann er leicht im unscharfen verschwindend eine angenehme Abwechslung bieten.

Wind

Auch wenn es uns annähernd windstill erscheint, so ist doch meistens ein ganz leichtes Lüftchen zu fühlen, welches die Blumen leicht schwanken lässt. Dies führt zu dem Problem, dass man nicht genau scharf stellen kann da die Blumen nicht nur seitlich, sondern auch gerne in Richtung der Kamera schwanken. Diesem Problem kann man auf verschiedene Arten begegnen, die sich natürlich auch kombinieren lassen.

Abschatten des Windes mit einem Diffusorschirm ist eine Möglichkeit. Hierbei wird versucht den Schirm so aufzustellen, dass er die Blume in den Windschatten legt und somit die Blüte sich beruhigt.

Eine weitere Möglichkeit ist das vorsichtige fixieren der Blume kurz unterhalb des gewählten Bildausschnittes mit einer Pflanzenklammer. Hierbei sollte man aber darauf achten, dass die Pflanzenklammer nicht direkt die Pflanze „festklammert“, sondern mehr als ein stabiler Punkt zum „anlehnen“ dient. Da die Klammern oft sehr stark sind würden sie die Pflanze sonst beschädigen oder abzwicken.

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Autor des Artikels: Jens Dittmar

Zum Fotografieren kam ich vor einigen Jahren, damals lag mein Hauptinteresse in der Landschaftsfotografie. Im Jahr 2008 entdeckte ich die Makrofotografie für mich und war fortan begeistert von der kleinen Welt überall um uns herum. 2009 habe ich neben der Makrofotografie auch sehr viel Peoplefotografie betrieben und mich mit der Lichtführung intensiver beschäftigt. Zu einem meiner ersten Fotos sagte mein Vater einmal: „Wer fotografiert, lernt sehen.“ Diesen Leitsatz sehe ich in allen Bereichen der Fotografie täglich bestätigt. In der Makrofotografie ist er allerdings am offensichtlichsten.

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