Artikel von Daniel Zellfelder - aktualisiert am 18. März 2011 - veröffentlicht am 18. Februar 2008

Wettbewerbsfotografie: Detlev Motz

Autor: Daniel Zellfelder

Detlev Motz ist ein erfahrener Fotograf, Kenner der Fotoszene und über den Film zur Fotografie gekommen. Durch seine 25 jährige Tätigkeit als Fotoredakteur bei colofoto und ungefähr 40 jährige als Juror, hat er jede Menge Wissen zum Thema „Wettbewerbsfotografie“ gesammelt. Wir haben ihn interviewt.

Unter www.detlevmotz.de gibt es Informationen rund um seine Person und Fotografien. Außerdem bietet er dort einen lesenswerten Newsletter an, der unter anderem verschiedene Seminare, sowohl von Motz selbst, als auch von anderen Fotografen, ankündigt. Außerdem startet ein Wettbewerb mit den Themen „Themenfrei“ und „Bildpaare“. Als Preis gibt es unter anderem auf den Namen des Gewinners signierte Bildbände diverser Profifotografen.

Wie sind Sie zur Fotografie und dem vielem Wissen auf dem Gebiet „Wettbewerbsfotografie“ gekommen?
Seid ich zurück denken kann, hatte ich eine Kamera in der Hand. Dabei habe ich eigentlich mit 8mm-Film angefangen. Wer damit nichts anfangen kann, eine Filmkassette auf der das Perforationsloch grösser war als die Filmfläche.. Der Vorteil zur heutigen Zeit: Das Filmmaterial war teuer und man hat sich Mühe gegeben um einen vernünftigen 4-Minuten-Film zu drehen und zu schneiden.

Heute ist es wie beim Fotografieren – das Material ist preiswert, dafür sind  jetzt die meisten Amateurfilme zu lang und zu schlecht. Meist werden sie ohne Szenenfolge heruntergedreht. Nach dem Motto „es kostet ja nichts“ wird nur noch draufgedrückt. Da mir der Amateurfilm in der Qualität immer zu unscharf war und mir auch für Szenenfolgen die Zeit fehlte, bin ich dann entgültig auf Fotografie umgestiegen. War in einem Fotoclub in München, hatte später selbst einen Fotoclub im Allgäu und bin noch später 25 Jahre Fotoredakteur bei colorfoto gewesen.

Als Juror bin ich schon ca. 40 Jahre von Zeit zu Zeit tätig. Deshalb gibt es kaum noch ein Motiv, daß ich nicht schon mindestens hundertfach gesehen habe. Das Wissen habe ich mir durch Fotobücher und noch mehr durch Bildgestaltungsbücher aus der Malerei beigebracht. Diese ersetzen aber nicht die Praxis.

Welche Motive reizen Sie persönlich?
Eigentlich die Motive, welche für immer im Kopf bleiben, weil man die Zeit nicht hat um ihnen nachzugehen. Mich reizt jedes Motiv weil ich versuche es aus einer anderen Sichtweise zu zeigen. Da ich sehr viel Seminare und Vorträge über Bildgestaltung gebe, kann ich mich nicht auf „spezielle Motive“ konzentrieren. Es müssen möglichst viele Motive vorkommen um zu zeigen, „wie könnte man sie noch umsetzen“. Ansonsten arbeite ich gerade in meinem Heimatort daran, neun Lieblingskneipen und Restraurant mit dem Pächter exakt nach Idee umzusetzen. Hat man das erste Bild geht es dann schnell.


Wie sollte man an die Wettbewerbsfotografie herangehen?
Man sollte sich exakt an die Teilnahmebedingungen halten und mit Sportgeist an die Sache herangehen. Wer bei jeder Absage ein Magengeschwür bekommt sollte es bleiben lassen. Da bei den meisten Amateure eine Annahme bis zu 2 Jahren auf sich warten lässt, gehört etwas Ausdauer dazu. Und man sollte immer daran denken: Wettbewerbsfotografie ist nur eine Richtung in der Fotografie! Was ich verabscheue sind die „Tipps und Ratschläge“ in manchen Foren. Nach dem Motto „jetzt hast Du mein Bild schlecht gesprochen, das mache ich jetzt auch“ werden dort gute Bilder oft übel besprochen. Es geht auch unter die Gürtellinie.

Wer bei jeder Absage ein Magengeschwür bekommt sollte es bleiben lassen. Detlev Motz

Was macht ein gutes Wettbewerbsfoto aus?
Für mich ist es einfach: Es sollte mir einige Jahre noch im Gedächtnis hängen bleiben. Ich habe noch Bilder im Gedächtnis, die habe ich bei der ersten Jurierung vor  ca. 40 Jahren gesehen. Ein gutes Wettbewerbsbild sollte eine Idee haben die fotografisch gut umgesetzt ist. Hört sich einfach an, ist aber selten der Fall.

Bilder mit „Aussage“ gibt es ganz selten, diese gewinnen aber am ehesten. Bilder mit Idee gibt es etwas mehr und gewinnen wenn keine Bilder mit „Aussage“ dabei waren. Bei beiden muss aber auch die Bildgestaltung stimmen. 60 bis 80 Prozent der eingehenden Bilder zu einem Wettbewerb haben aber nichts davon! Es sind nette Kinderbilder und Urlaubserinnerungen.

… etwa 10 Prozent der Einsender machen den Preis unter sich aus, weil die meisten Amateurfotografen keine Selbsteinschätzung haben. Detlev Motz

Das heisst, etwa 10 Prozent der Einsender machen den Preis unter sich aus, weil die meisten Amateurfotografen keine Selbsteinschätzung haben. Wenn Tante sagt „das Bild ist aber toll“ muss es beim Juroren noch lange nicht ankommen…

Was ist der häufigste Fehler und welche anderen absoluten No-Go’s gibt es?
Man hält sich nicht an die Teilnahmebedingungen oder schickt die kleinste, angegebene Grösse ein. Schon verloren… Man schickt Aktfotos von seiner Freundin ein, die meist dafür überhaupt nicht geeignet ist. Man sendet Motive ein, die TAUSENFACH immer wieder zu sehen sind. Dazu gehören: Nette Kinder mit Eis oder auf dem Klodeckel, Schmetterlinge, Landschaftsfotos im langweiligen Licht, Motocross, Venedig, Masken, Küchenschellen, Nackt statt Akt, schlechte Montagen, usw. Damit machen sie sich keinen Juroren zum Freund.

Man schickt bei Papierwettbewerben seine Fotos auf dem allerletzten Klopapier ein. Die guten Wettbewerbsfotografen legen sehr viel Wert auf die Ausarbeitung.

Wie viel Bearbeitung darf heute gemacht werden?
Die beste Bearbeitung ist, wenn man sie nicht sieht. Die Zeiten der übertriebenen Bildbearbeitung ist vorbei.  Einer der besten „Bildbearbeiter“ ist Uli Staiger, der auch 2009 in Laupheim ausstellen wird. Man sieht bei seinen Bildern zwar die Bildbearbeitung  – aber sie sind trotzdem perfekt , haben Aussage und zeigen immer gute Umsetzungen einer Idee.

Haben Sie einen Geheimtipp für unsere Leser?
Es gibt keinen. Fangen Sie bei kleineren Wettbewerben an, gehen sie zu öffentlichen Jurierungen, schauen sie sich Bilder von Wettbewerbsfotografen an. Nicht nachmachen, aber davon lernen. Fotografieren heisst immer noch „mit Licht gestalten“ und nicht „mit Pixeln gestalten“.  Fotografieren wenn andere faul auf der Couch liegen – Motive suchen die nicht „ausfotografiert“ sind. Fehler nicht immer bei den anderen suchen sondern bei sich. Kritikfähig sein – ist in kleineren Gruppen von 5 Leuten besser wie in Foren oder in grossen Clubs.

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Autor des Artikels: Daniel Zellfelder

Hallo zusammen! Ich bin Jahrgang 1990 und mich fesseln Fotografie, grafische Arbeiten sowie das Erstellen von Webseiten. Neben der Natur fotografiere ich Menschen und Veranstaltungen. Derzeit probiere ich mich an der Konzeptfotografie. Um andere an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen, habe ich 2006 dieses Onlinemagazin ins Leben gerufen.

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